Wir freuen uns immer über Ihre Geschichten über und in der Eule.
Es waren die Loschwitzer Weinstube „Mutter Unger“ und die Rochwitzer Gastwirtschaft „Zur Eule“ auf der Grundstraße, die sich den Ruf erwarben, zwei sehr originelle Schänken zu sein, vor allem von der Figur und der Autorität der Wirtinnen geprägt. Das historische Lokal an der Grundstraße, am Ortseingang von Rochwitz (erstmals 1378 genannt), war sehr populär und hat eine sehr wechselvolle Geschichte. Im Umland der Loschwitzer Mühlen (Zeibig-Mühle), den Bühlauer Höhen und an die Oberlochwitzer Flur grenzend, in unmittelbarer Nähe der „Schweizerei“ und des Steinbruchs von Carl Friedrich Minkwitz (bis 1957 in Betrieb) war der Gasthof immer durch seine Lage begünstigt. Die „Eule“ lag sozusagen im Dreidörfereck Bühlau-Loschwitz-Niederrochwitz, die in Höhe des Gasthauses führende Grundstraße bis zur Bautzner Straße bezeichnete man früher als Grenzweg. Der Standort der „Eule“ ist in alten Schriften als Grenze angegeben.
Über die Namensgebung der „Eule“ bestehen zwei Versionen, die sicher im engen Zusammenhang stehen könnten. Einerseits findet der Name „Zur Eule“ seinen Ursprung im unmittelbaren Terrain der Bühlauer Höhen, wonach man die seinerzeit düstere Waldflur als „Eulengrund“ bezeichnete, wo einst entlang dem „Loschwitzbach“ Tannenriesen standen und der dickköpfige Nachtvogel sein Revier hatte. Der Mäusevertilger könnte so Pate für das im 15. Jahrhundert entstandene Gasthaus gestanden haben. Einen anderen Ursprung könnte das Gasthaus durch die Ende des 16. Jahrhunderts eingewanderten, goldsuchenden Bergleute aus den Eulengebirge (Sudeten) haben, welches für jene als Ausschank gegründet wurde Wie auch immer es gewesen sei, die altehrwürdigen Gemäuer überstanden Feuersbrunst und Wasserfluten.
Auch wenn hin und wieder davon zu lesen ist, daß es die Eulenschänke erst ab Mitte des 16. Jahrhunderts gegeben haben soll, jüngste Untersuchungen bestätigen den Bericht des „Hausdichters“. Einst waren Kutscher, Weinbauern und Fischer aus dem nahen Loschwitz die Gäste der „Eule“. Über den gelben Fachwerkbau an der Grundstraße schrieb der Maler Johann Friedrich Hoff (1832-1913) in seinem Buch „Amt und Muße, Ludwig Richter als Freund“ (Verlag Johannes Alt, Frankfurt/Main, 1903, S.57-84) darüber, daß er hier oft den Maler Ludwig Richter zeichnend traf. Die Dorfschänke selbst galt als sehr gemütlich und preiswert. Im Umfeld solcher Künstler und Persönlichkeiten wie Wilhelm von Kügelgen, Ludwig Richter, August Kotzsch, Dr. Moritz Heydrich (Ortspoet), Friedrich Wieck, Heinrich Dorn, Friedrich Wilhelm Pohle (Kantor und Ortschronist von Loschwitz) und v. a. fand das kleine Gasthaus im Fachwerkstil großen Zuspruch. Manch natur- und kunstbeflissener Wanderer begab sich in den Loschwitzer Grund mit einen ländlichen Hütten, den Weinhängen und Mühlen, und mühte sich die noch unbefestigte Grundstraße nach Rochitz bzw. Bühlau hinauf, wo einst Ziegen und Kühe weideten und späterhin eine wichtige Handelsverbindung zum Bautzner Land entstand. Der Reim an er Hausfassade, der einst auch Caspar David Friedrich zu einem Kruge kühlen Helfenberger Bier einlud, ist das einzige geschichtliche Zeugnis über die Frühzeit der „Eule“. Da keine Dokumente über die Geschichte der „Eule“ vorhanden sind bzw. vermutlich nie angelegt worden waren, „sprechen“ lediglich die Steine des Hauses Geschichte. So u. a. der Schlußstein über dem Eingang mit der Jahreszahl 1827. Diese Zahlen weisen auf den Umbau des Gebäudes hin. Im ersten und noch erhaltenen Gerichtsbuch von 1599 ist das Grundstück bereits erwähnt. 1710 erhielt das Haus das Erbschankrecht zum Ausschank von Helfenberger Bier. Der Schlußstein „J.G.B.N.-N. 9-1827“ bedeutet: Johann Gottfried Benjamin Nacke – Nummer 9 (damals Hausnummer).
Das Gebiet um die Loschwitzer Höhe wurde vor allem in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts als Ausflugsziel und Sommerfrische von Jahrzehnt zu Jahrzehnt immer anziehender. Die wirtschaftlichen Verhältnisse gestalteten sich trotz all ihrer Widersprüche so, daß die berufstätige Bevölkerung – vor allem das Handwerk – auch des öfteren ausging und in der „Eule“ einkehrte. Gerade das Dorf Loschwitz mit seinen Weinbergen und Obstbaumhängen war der Anziehungspunkt für viele Ausflügler. Nach 1880 begünstigte der Niedergang des Weinanbaus die bauliche Erschließung des Elbhanges, das Gasthaus „Zur Eule“ wurde eine bevorzugte Wohngebiets- bzw. Ausflugsgaststätte.
Nach dem zweiten Weltkrieg gehörten ein Ballsaal und eine Fleischerei zum Grundstück. Mit etwa 90 Plätzen in mehreren Gast- und Gesellschaftsräumen, einer Bar und einer Tanzdiele war die Gaststätte ein gesellschaftlicher Mittelpunkt der Nachkriegsjahre in der Stadt Dresden.
Im Jahre 1993 erwarb der Plattlinger Restaurator Werner Rickinger das Anwesen. Mit enormen Aufwand wurde das gesamte Gebäude und das umliegende Areal rekonstruiert und neu gestaltet.
Am 1. Februar 1998 übernahmen Gudrun und Wolfgang Weißflog die gastronomische Betreibung des historischen Gasthauses.
Zwischen 1818 und 1832 fehlt jedoch Johann Gottfried Benjamin Nacke, der ganz sicher Besitzer war, da er das Haus instandsetzte und wohl erweitert, wie der Schlußstein „J.G.B.N. 1827 No 9“ ausweist.
Die weitere Wirtsfolge (oft unklar ob Besitzer oder nur Pächter sowie mit zeitlichen Lücken wegen fehlen- der Unterlagen) war: